Eines meiner Lieblingsthemen ist ja der Placebo-Effekt und fast noch lieber der Nocebo-Effekt. Du wirst noch davon lesen, heute will ich ein sehr praktisches Beispiel mit dir teilen.

Die meisten kennen den Placebo-Effekt. Der Nocebo ist so etwas wie der böse Bruder des Placebo-Effekts. Wikipedia definiert ihn folgendermaßen:

“Der Nocebo-Effekt (von lateinisch nocebo ‚ich werde schaden‘, von nocere ‚schaden‘) ist – analog zum Placebo-Effekt (lateinisch placebo ‚ich werde gefallen‘) – eine negative gesundheitliche Wirkung nach Exposition durch ein Agens, z. B. durch ein Arzneimittel oder einen anderen äußeren Einfluss, ohne dass ein direkter und unmittelbarer kausaler Zusammenhang zwischen Agens und Wirkung zu bestehen scheint, wobei die Effekte meist auf psychologische Ursachen zurückgeführt werden.”

Wikipedia / Nocebo-Effekt

Ein Beispiel dafür ist, mit welchen Bildern wir unseren Patienten die Krankheiten näherbringen. Eine Übersichtsarbeit im Journal Der Schmerz (2025) (DOI: 10.1007/s00482-025-00876-8) hat sich genau damit beschäftigt. Die Forscher wollten wissen: Wie beeinflussen diagnostische „Labels“ die Prognose und das, was die Patienten an Therapie wollen?

Das Ergebnis ist ziemlich spannend.

Wenn Ärzte Begriffe wie „Rückenschmerzepisode“, „persistierende Hüftschmerzen“ oder „Bursitis“ verwendeten, passierte Folgendes:

  • Die Prognose war besser.

  • Die Patienten hatten weniger Bedürfnis nach invasiven Maßnahmen (Spritzen, OP, das volle Programm).

Im Gegensatz dazu löst Vokabular wie ‚Degeneration‘ oft eine Kaskade aus Ängsten und Katastrophisierung aus. Dies steigert signifikant das Verlangen nach bildgebender Diagnostik und invasiven Therapien, selbst wenn diese leitlinienwidrig wären. Das subjektive Gefühl einer strukturellen Schädigung führt bei Patienten zu Vermeidungsverhalten und weniger aktiver Therapie.

Irgendwie auch logisch: Wenn ich das Bild im Kopf habe, dass bei jedem Schritt Knochen aufeinanderreiben, dann vermeide ich jegliche Aktivität.

Pass also auf, was deine Worte bewirken. Die sind wahrscheinlich das kostengünstigste Instrument, das wir haben.

Beste Grüße,

Daniel

PS: Falls dich das Thema interessiert: Sehr empfehlenswert ist “Wie wir Patienten zum Lügen bringen” (https://amzn.to/3P44Nmi) —> 40 Lektionen, die erklären, welche Kommunikationsmechanismen in der Praxis oft nach hinten losgehen und wie man es besser macht.

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