
Hast du dich mal gefragt, was passieren wĂźrde, wenn man die motiviertesten und erfahrensten Ărzte einer Abteilung fĂźr eine Zeit lang aus dem Betrieb nehmen wĂźrde? Sicher mĂźsste das eine Katastrophe fĂźr die Versorgung sein.
Oder?
Du kennst (oder kanntest) bestimmt folgende Situation:
Der Chef ist auf dem Weg zum ESC oder zur DGK-Jahrestagung (DGIN, DGEM etc. etc.). Die erfahrenen Oberärzte und jeder der es geschafft hat dabei zu sein im Schlepptau, um ihre neuesten Paper zu präsentieren.
Und du darfst die Klinik am laufen halten.
Sollte unter solchen Bedingungen nicht die Qualität der Behandlung sinken? Und sollte nicht folgerichtig das Outcome fßr die Patienten schlechter werden?
Zum GlĂźck hatte jemand eine gute Idee wie man das prĂźfen kĂśnnte:
Forscher der Harvard (die sind bestimmt oft auf Kongressen) Medical School (Jena et al.) haben tausende von Patientendaten Ăźber einen Zeitraum von zehn Jahren analysiert:
Sie verglichen die 30-Tage-Mortalität von Patienten mit Herzinsuffizienz und Herzstillstand in zwei Zeiträumen:
In den drei Wochen vor und nach zwei groĂen nationalen kardiologischen Kongressen
mit der Sterblichkeit während der eigentlichen Kongresstage.
Um sicherzugehen, dass es kein Zufall ist, verglichen sie Universitätskliniken (Teaching Hospitals) mit normalen Krankenhäusern.
Das Ergebnis ist interessant:
In den Lehrkrankenhäusern sank die Sterblichkeit bei High-Risk-Herzinsuffizienz signifikant. In den normalen Krankenhäusern (wo die Ărzte seltener auf diese Kongresse fahren) blieb alles gleich.
Die Erklärung (bzw. eine mÜgliche Erklärung) lässt sich einfach zusammenfassen: Weniger ist manchmal mehr.
Oft ändert sich nämlich die Behandlungsstrategie im Krankenhaus:
Es wird weniger kathetert.
Es werden weniger Stents bei stabilen Patienten gesetzt.
Es wird weniger "probiert", weil man nichts riskieren will.
Stattdessen verlassen sich die ZurĂźckgebliebenen (also oft du und ich) auf das, was wir sicher beherrschen: Konservative Therapie. Leitliniengerechte Medikamente. Gute, alte Ăberwachung.
Wir nennen das "Defensive Medicine". Wir vermeiden aggressive Eingriffe, die zwar potenziell nĂźtzlich, aber eben auch risikobehaftet sind.
Ich weiĂ, es kĂśnnte auch einfach zeigen, dass wir uns die schwierigen Fälle einfach âaufsparenâ. Die Implikationen sind trotzdem interessant.
"Machen wir das, weil es dem Patienten statistisch sicher hilft, oder weil wir es kĂśnnen?"
Fazit
Ganz ehrlich unter uns?
War es nicht eh immer am besten in der Zeit wenn alle âwegâ waren?
Es ist ruhiger und irgendwie schafft man es manchmal sogar so etwas wie sprechende Medizin zu machen.
Auch wenn ich (Achtung: persĂśnliche Meinung) nicht glaube, dass hier eine Kausalität gemessen wurde, lässt es sich doch entspannter genieĂen, wenn das Los des ZurĂźckbleibens wieder auf einen selbst fällt.
Beste GrĂźĂe đ
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