
Vor einigen Wochen hat ChatGPT ja ChatGPT Health gelauncht, um ein spezialisiertes Angebot für medizinische Laien anbieten zu können. Die Frage ist ja immer (egal bei welchem Tool) : Wie stehen wir als medizinische Profis dazu?
Für mich sind diese Tools „digitale Heilpraktiker“. Damit will ich nicht polemisch sein, aber eine Diskussion auf Englisch, die sich online nachlesen lässt, bildet ganz gut ab, was ich damit meine. Jemand postet auf Reddit:
I mean really, who in their right mind would upload their medical records to this company? Like omg, that is incredibly sensitive information that, I atleast, would not want to share with some random company who i do not see a reason to trust with that data, especially when they could just sell it on to other companies and give me even more targeted adds and profiles of me that advertisers can use.
Ontop of this, how is OpenAI gonna protect themselves against the advice they give to people? Is there gonna be some legal disclaimer in every chat that says they are not liable? I mean how is this not a huge risk to both OpenAI and the people who will trust ChatGPT completely with no critical thinking, like are you honestly going to trust that ChatGPT will provide 100% correct information and that you are capable of judging the information it gives you?
Nachvollziehbar, oder? In gewisser Weise ist das die Haltung, die viele Ärzte einnehmen. Der Top-Kommentar erklärt wunderbar, warum das nicht ganz stimmt:
If you've ever been in the hospital, truly terrified for your health, and ChatGPT helps you tremendously while doctors are rarely present and/or seem uncertain – worse: you're a public health insurance patient… then you'll begin to understand why people do that. But I hope you never find yourself in that situation.
Ich glaube, die meisten Menschen wollen schon gerne von richtigen Ärzten behandelt werden und trauen Ärzten auch Fachkompetenz zu. Ihnen fällt es nur schwer, an Mediziner zu kommen, die gut ausgebildet sind, sich Zeit nehmen (können) und gut kommunizieren.
Deswegen finde ich den Begriff „digitale Heilpraktiker“ ganz passend für diese Tools, da auch Heilpraktiker oft genau diese Lücke füllen, die das Gesundheitssystem offenlässt.
Ich glaube, es bringt deswegen auch nichts, auf die theoretische Korrektheit von KI zu verweisen oder auf den Datenschutz zu schimpfen. Das ist nicht das Problem, welches Patienten lösen müssen. Wir müssen als Mediziner den Raum wieder einnehmen, den wir der KI gelassen haben und anderen Raum ganz bewusst abgeben. Denn warum sollte die KI nicht dem Patienten lange und einfühlsam erklären, dass Schnupfen nicht in die ZNA gehört, während die „böse & unaufmerksame“ Ärztin einem anderen Patienten das Leben rettet?
Beste Grüße,
Daniel
PS: Wenn du neu bist, kannst du alte Newsletter Episoden hier nachlesen: https://wie-du-kein-schlechter-arzt-wirst.beehiiv.com/ .
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