
Eigentlich jedes Jahr lese ich von Menschen, die in Kanäle, Seen oder von Brücken fahren, weil sie auf ihr Navi gehört haben. Wenn ich lange Auto fahre, guckt man manchmal etwas zu lange auf das Auto-Navi und fährt quasi auf dem Bildschirm.

Man nennt das den Karten-Effekt: Wir vergessen, dass Karten nur eine Abbildung der Wirklichkeit sind und die Wirklichkeit sich eben nicht zwingend danach richtet.
Okay, das klingt jetzt nicht nach einer durchschlagenden Erkenntnis, aber tatsächlich ist mir das im Krankenhaus auch schon passiert.
Die allermeisten unserer Modelle und Erklärungen über Physiologie sind eben nicht die richtige Welt, sondern helfen uns nur (sehr gut sogar), diese zu verstehen.
Genauso auch sämtliche Parameter und Messungen, die wir erheben. Hier nur offensichtliche Beispiele:
Der Monitor kann 98 % Sauerstoffsättigung zeigen, aber der Patient ist zyanotisch.
Kreatinin ist nicht = Nierenfunktion, sondern korreliert in einem Bereich sehr gut mit dieser.
Ein Patient kann nach BMI klar adipös sein. In Wahrheit ist es ein Bodybuilder mit 10 % Körperfett.
RR ist 160/100 (Karte). Eigentlich ist nur die Manschette zu klein für den kräftigen Arm des Patienten.
Es ist wie beim Autofahren. Das Navi ist eine mega Hilfe. Aber wenn die Windschutzscheibe und das Navi sich widersprechen, ist es nicht verboten, innezuhalten.
Das nächste Mal, wenn du in einer komplexen Situation bist und die Daten keinen Sinn ergeben, frag dich:
Starre ich gerade auf die Karte, während ich in einen Fluss fahre?
Beste Grüße,
Daniel
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